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Neue Schreibregeln: Einleitung

Die erste Rubrik dieser Website, Rechtschreibung und "Reform", hat gezeigt, daß die "Rechtschreibreform" dem deskriptiven Credo jeder (also auch der Sprach-) Wissenschaft ebenso widerspricht wie dem demokratischen Credo einer freien Gesellschaft. Eine solche allgemeine Begründung dafür, daß die "Rechtschreibreform" keine richtige oder gar bessere Schreibung, sondern wissenschaftlich falsche Schreibweisen produziert und Chaos stiftet, ist notwendig, aber nicht ausreichend: Auch im Detail sollte der Beweis geführt werden, daß die 1996 bzw. 1998 zwangsweise eingeführten Regeln und Schreibweisen überwiegend die Schreibung der deutschen Sprache nicht besser und richtiger machen und ihre schriftliche Ausdrucksfähigkeit mindern.

Auf den folgenden Seiten dokumentiere ich deshalb die wichtigsten und umstrittensten der staatlichen Zwangsregeln von 1996 und bewerte sie. Dabei wird u. a. deutlich, daß die "alten", konventionellen Schreibweisen zwar ganz überwiegend, aber keineswegs immer besser und logischer (besser: plausibler) sind als die neuen und kontroversen — aber auch und vor allem, daß es keinen Sinn macht, eine unlogische, aber akzeptierte Regel durch eine andere unlogische, aber umstrittene Regel zu ersetzen. Entscheidend für die Schreibrichtigkeit ist letztlich der Usus, der tatsächliche freiwillige Schreibgebrauch — eine Erkenntnis, die sich in der Revision von 2006 leider nur ansatzweise durchgesetzt und vor allem in mehr Varianten niedergeschlagen hat. Wie inkonsistent die 2006 verabschiedete "Reform" immer noch ist, zeigt der Wörtervergleich 1996–2006.

Die vollständigen aktuellen Regeln und Wörterlisten finden Sie übrigens nicht hier, sondern auf den Service-Seiten (dort unter "Dokumentationen") des "Instituts für Deutsche Sprache" (IDS) in Mannheim, das die jeweils gültige Fassung der Schreibreform rückhaltlos propagiert; eine (inzwischen überholte) Wörterliste unter umgekehrtem Vorzeichen gibt es von Stephanus Peil: "Die Änderungen der Rechtschreibung · Ein kritischer Vergleich bisheriger und reformierter Schreibweisen" (3. Internetauflage 2001). Solche Quellen sind – ebenso wie die verschiedenen Wörterbücher in ihren bisher erschienenen Auflagen – auch deshalb wichtig, weil sie die Entwicklungsstände der Schreibreform bis heute nachzeichnen und so den aktuellen Stand verständlich machen.

Die folgenden Darstellungen und Wertungen sind also wie im allgemeinen Teil keine vollständige Zusammenfassung der bisherigen Forschungen und Veröffentlichungen zu verschiedenen Aspekten der "Rechtschreibreform", vielmehr stellen sie die Ergebnisse überwiegend eigener Überlegungen des Autors dar und somit einen eigenständigen – vielleicht hier und da auch überraschenden – Beitrag zum Thema. Auch wurden inzwischen erfolgte Korrekturen im Auftrage der Kultusminister- und Ministerpräsidentenkonferenz (zuletzt am 30.03.2006) und in den verschiedenen Auflagen der Wörterbücher nicht regelmäßig berücksichtigt – dafür fehlte und fehlt die Zeit, und dafür gibt es die Websites der Reform-Befürworter, allen voran die schon erwähnten offiziellen Dokumente zu den Inhalten der Rechtschreibreform des "Instituts für Deutsche Sprache", zur Verfügung gestellt vom Rat für deutsche Rechtschreibung. Daß gewisse Schreibungen überhaupt jemals eingeführt wurden, ist im übrigen beschämend genug, auch wenn sie später dosiert zurückgenommen oder durch Varianten ergänzt wurden.

Zunächst aber soll eine Rätselseite Appetit auf die weitere Lektüre machen. Diese jederzeit erweiterbare Liste der Mehrdeutigkeiten ist Beleg für die offenbar gewollte und bislang nur teilweise zurückgenommene Entsemantisierung der Schriftsprache und straft alle jene Zeitgenossen Lügen, die naiv oder böswillig behaupten, "die Sprache selbst" sei von der Schreibreform nicht betroffen. Natürlich läßt sich die eine oder andere durch die "Reform" produzierte Mehrdeutigkeit durch eine Umformulierung oder Umstellung von Satzgliedern beseitigen – aber dann ist ja "die Sprache selbst" erst recht betroffen!

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Daß diese Seiten in (konventioneller) Rechtschreibung verfaßt sind, bedeutet nicht, daß sich der Autor sklavisch an die Vorgaben des alten (leider nur überwiegend deskriptiven) Dudens hält. Es gibt durchaus Abweichungen: So schreibe ich etwa ernstnehmen wegen der Betonung auf der ersten Silbe bewußt zusammen. Natürlich sind auch simple Rechtschreibfehler nicht ausgeschlossen ... (Wer solche findet, möge sie mir mitteilen!)

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