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Literatur zur Rechtschreibung

Literaturliste Literaturliste

Rezensionen

Die bibliographischen Angaben der folgenden Werke sind der Literaturliste zu entnehmen:

Ickler: Die sogenannte Rechtschreibreform

Theodor Ickler, Germanistik-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und Autor des Rechtschreibwörterbuchs, hat dieses Taschenbuch schon 1997 vorgelegt; es bleibt aktuell, solange es die Rechtschreibreform gibt.
Ickler beschreibt zunächst die Entstehung der Rechtschreibreform und befaßt sich dann mit ihren Schwerpunkten: der Laut-Buchstaben-Zuordnung, der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung, der Zeichensetzung und der Worttrennung; dann vergleicht er die bekannten Wörterverzeichnisse bzw. -bücher und beschreibt und bewertet die Durchsetzung der Reform auch gesellschaftspolitisch. Ein Anhang mit Regeln und einer Wörterliste rundet das lesenswerte Werk ab.
Gelungen ist dieses, weil es der Autor versteht, die zahlreichen Fehler der Reform sprachwissenschaftlich exakt zu dokumentieren, aber zugleich allgemeinverständlich zu formulieren, einerseits eine Fülle wichtiger (schrift)sprachlicher Details zu vermitteln, andererseits aber den Leser auch zu unterhalten – auch wenn die Lektüre streckenweise themenbedingt etwas Konzentration verlangt. Wenn dies dann mal amüsierte, mal weinerliche Stimmungen provoziert, so ist das weniger im literarischen Vermögen des Autors begründet (der den Untertitel "Ein Schildbürgerstreich" völlig zu recht gewählt hat) als vielmehr "reformbedingt", nämlich Ausdruck des sprachwissenschaftlichen Unvermögens der Reformer. Am Ende dürfte ein verständnisloses, wütendes, hoffentlich nicht resignierendes Kopfschütteln die Oberhand gewinnen. Wer die deutsche Rechtschreibung aktiv fördern und verteidigen möchte, findet hier nicht nur Argumentationshilfe, sondern auch ein ideales und nützliches Geschenk für fast alle Gelegenheiten. (Paperback, 13,5 x 20,5 cm, 206 Seiten, ISBN: 3931155099, 19,80 DM)


FAZ: Die Reform als Diktat  

Die F.A.Z kehrte am 1. August 2000 zur konventionellen Orthographie zurück. Das 120 Seiten starke Büchlein ist kostenlos bei dieser Zeitung erhältlich und präsentiert Artikel, die in dieser Zeitung nach dem 2. Weltkrieg zum Thema Rechtschreibreform erschienen sind. Die Vielzahl der Beiträge und die nicht chronologische, sondern (nach einer Chronik) thematische Anordnung in acht Kapiteln ergeben ein umfassendes Bild zum Thema:

  • Die F.A.Z. kehrt zur alten Rechtschreibung zurück
  • Die Bevölkerung lehnt die Rechtschreibreform ab
  • Rechtschreibreform und Politik
  • Rechtschreibung und Rechtsprechung
  • Schriftsteller protestieren
  • Akademie und fachgelehrte warnen vor der Neuerung
  • Die Schüler werden als Geiseln genommen
  • Geschichte der Rechtschreibreform

Es liegt in der Natur von Zeitungsartikeln, daß sie ein solch komplexes Thema nicht in allen Details darstellen können; dennoch sind die gelieferten geballten Information erhellend und erschütternd zugleich: Hat diese Beiträge eigentlich kein Verantwortlicher gelesen? Man fragt sich aber auch: Warum, um Gottes willen, hat die F.A.Z. das Experiment der Amtsschreibung anfänglich überhaupt mitgemacht? Daß mit der Einheit des Chaos weder Einheitlichkeit noch Rechtschreibung zu erreichen ist, hat das Büchlein doch unter Beweis gestellt. (Zu bestellen, solange der Vorrat reicht, bei der F.A.Z. unter Telefon 069/7591-1518 oder per eMail bei Herrn Bolz.)


Krieger: Der Rechtschreibschwindel  

Hans Krieger, Publizist und Lyriker, nimmt schon seit 1963 an der Diskussion um eine Rechtschreibreform teil. Die vorliegenden "Zwischenrufe zu einem absurden Reformtheater", so der Untertitel, erschienen erstmals 1998 und 2000 in einer 2., erweiterten Auflage, und sie erinnern an die oben besprochenen Bücher von Ickler und der FAZ: Sie decken den "Rechtschreibschwindel" kompetent, engagiert und schonungslos auf, aber weniger durch Analysen der neuen Regeln und der daraus resultierenden Wörterlisten und -bücher (wie Ickler), sondern vorrangig durch Untersuchungen und Kommentierungen der Hintergründe und Begleitumstände (FAZ).
    Dem Buch voran steht Kriegers Text "Wachstumslogik und Regulierungswahn", den er einst für den im Erich Schmidt Verlag erschienenen Sammelband Die Rechtschreibreform – Pro und Kontra verfaßt hatte. Dann folgt – chronologisch, nicht thematisch angeordnet – eine Auswahl der Aufsätze und Glossen (siehe FAZ), die der Autor von 1971 bis zum April 2000 in Zeitungen (meist in der Bayerischen Staatszeitung), Zeitschriften und im Rundfunk zum Thema veröffentlichte.

Erschütternd ist sein Fazit zur Mißachtung der Grammatik durch die "Reform": "kultivierten Erwachsenen wird ihr Sprachgefühl aberkannt, und Kindern wird es unmöglich gemacht, ein stimmiges Sprachgefühl aufzubauen. Die Verletzung von Persönlichkeitsrechten liegt hier auf der Hand ..." Das Buch ist so ein beredter Beleg dafür, wie sehr dem streitbaren Autor seine Sprache am Herzen liegt – und zugleich für die Verlogenheit der Kultusminister und "Reformer", wenn diese behaupten, ihre Kritiker seien mit ihren Einwänden zu spät gekommen. Wer vor der Einführung der reformierten Amtsschreibung um ihre Absurditäten wissen wollte, der konnte auch wissen, und nicht wenige haben sie mit durchgesetzt, obwohl sie wußten. (13,5x20,5 cm, 208 Seiten, ISBN: 3-931155-11-0, 19,80 DM)

Rechtschreibreform und Nationalsozialismus  

Was hat die Rechtschreibreform mit dem Nationalsozialismus zu tun? Ist sie faschistisch, weil sich wesentliche Elemente der vom damaligen Reichsinnenminister 1941 und 1944 betriebenen Reformen in der aktuellen "Rechtschreibreform" wiederfinden?
    Sicher nicht. Dennoch zeigen die Autoren ebenso verblüffende wie aufschlußreiche Parallelen nicht nur in der reformierten "Recht"schreibung selbst auf (die weder damals noch heute eine solche war bzw. ist), sondern vor allem in der Durchsetzung der Reform: das Ringen zwischen deutschtümelnden Traditionalisten und Modernisten, der – für einen authoritären Staat typische – konsequente Ausschluß der schreibenden Bevölkerung und maßgeblicher Träger der Schriftsprache, die Geheimhaltung der Pläne vor Volk und Presse und der geplante Mißbrauch der Schulkinder gegen den Elternwillen erinnern fatal an die Ereignisse der späten neunziger Jahre. Nach dem Krieg konnten zunächst dieselben Personen die Reform erneut in Angriff nehmen, die zuvor am Ende des Nationalsozialismus gescheitert waren.
    Das von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung herausgegebene "Kapitel aus der politischen Geschichte der deutschen Sprache" (so der Untertitel) ist sorgfältig mit Quellen belegt und beleuchtet in fünf Kapiteln und einigen "Nachsätzen" zur Nachkriegsentwicklung orthographischer Reformbemühungen politische und ideologische Aspekte der damaligen "Reform"-Pläne, die von einer "arteigenen", während der Ostkolonisation entstandenen, gesprochenen "gemeindeutschen Umgangssprache" ausgingen und von denen die Reformer heute aus schlechtem Grunde nichts wissen wollen. Viele Menschen sollten aber davon wissen.
    Einzig die streckenweise allzu wissenschaftlich manierierte Diktion stört etwas das Lesen und könnte so eine große Verbreitung des Buches gefährden, die ihm jedoch dringend zu wünschen ist. (14x23 cm, 134 Seiten, ISBN: 3892444501, 29 DM)


Lob der Rechtschreibung  

Wer hier lobt, war bis zu seiner Emeritierung Professor für germanische und deutsche Sprachwissenschaft und Munartkunde an der Universität Erlangen-Nürnberg – und er kennt den Streit um die Rechtschreibreform: Horst Haider Munske war Mitglied der Zwischenstaatlichen Kommission, bevor der er enttäuscht austrat, und veröffentlicht seit 1997 über dieses Thema. In seinem neuesten Büchlein zeigt er, wie die Alphabetschrift, die einst von den Griechen an die Römer weitergegeben wurde, im Laufe der Zeit immer besser ihren Dienst versah, nämlich dem Leser möglichst unzweideutig einen Sinn zu übermitteln. Er erläutert Schritt für Schritt, wie die deutsche Rechtschreibung im Verlaufe der Jahrhunderte entstanden ist, beschreibt ihre Grundstrukturen und Eigenheiten. So erfahren wir, "warum wir schreiben, wie wir schreiben", wie es der Untertitel ankündigt. Rechtschreibung lernt man vor allem durch Lesen und Üben; der Neugierige aber erfährt hier auch die Gründe hinter ihren Regeln und spürt ihr Leben. Wer über Rechtschreibung mitdenken und -reden will, ist also mit diesem Werk gut beraten – und er oder sie kann sich auf so manche Entdeckung und Erleuchtung freuen. Rechtschreibung, so Munske, ist die lebendige „Haut der Sprache”, die sich zusammen mit dem Sprachkörper entwickelt. Sie verdient Lob. Und das nicht ganz leicht zu lesende Buch verdient es, gelesen zu werden.
    Munske, Horst Haider (2005): Lob der Rechtschreibung. Warum wir schreiben, wie wir schreiben. Verlag C. H. Beck, München. (12,3x19 cm, 142 Seiten, ISBN: 3-406-52861-9, 9,90 €)


Falsch ist richtig  

Was der Grammatik, der Wortbedeutung, der Wortherkunft, nicht zuletzt dem schriftsprachlichen Gebrauch widerspricht, das soll jetzt richtig sein!? Der Titel nennt treffend das Thema dieses Leitfadens durch die Abgründe der Schlechtschreibreform. Theodor Ickler, der bekannte Autor des schon 1997 erscheinen Büchleins Die sogenannte Rechtschreibreform Die sogenannte Rechtschreibreform · Ein Schildbürgerstreich geht zunächst auf den Sinn von Rechtschreibung ein, durchforstet vor dem Hintergrund der Ende 2005 aktuellen Änderungen die "Reform" mit allen ihren Absurditäten und zieht eine Zwischenbilanz. Ausführlich beleuchtet er dann die Rollen der Akteure beleuchtet: der Reformer, Politiker, Journalisten etc. und erzählt so manche Episode, die Licht auf ihre Machenschaften werfen. Eigene Kapitel berichten über "das kurze Leben der Zwischenstaatlichen Kommission" und ihre vier Berichte und die angemaßte "Regelungs-Gewalt" des Staates. Schließlich geht es um die pädagogischen, sprachlichen, finanziellen und politischen Folgen der "Reform".
    Wer einen umfassenden Überblick über das Schreibreform-Chaos wünscht, erhält also einen Überblick, den das Reformwerk selbst nicht geben kann: über absurde Regelungen aus dem Zufallsgenerator und Sinnentstellungen ebenso wie die Vorgeschichte und unendliche Geschichte der Reform mit ihren schier unglaublichen Geschichten.
    Ickler, Theodor (2006): Falsch ist richtig · Ein Leitfaden durch die Abgründe der Schlechtschreibreform. Droemer, München. (12,5x21 cm, 172 Seiten, ISBN: 3-426-27391-8, 14,80 €)


Orthographische Regelwerke im Praxistest

Der primäre Zweck der sogenannten Rechtschreibreform im Jahre 1996 war angeblich die Vereinfachung des Schreibens bzw. Schreibenlernens – eine Vereinfachung des Lesens war gar nicht erst beabsichtigt. Ist nun wenigstens das Schreibenlernen an den Schulen einfacher geworden?
    Dazu gab es von Anfang an ganz unterschiedliche Stimmen: Einige verwiesen auf die Verunsicherung in den ersten Jahren der "Reform", die sich u. a. in vielen Hyperkorrektismen äußerte, sowie Bedeutungsänderungen und schwer lesbare Texte, andere taten die offensichtlichen Probleme als vorübergehendes Phänomen ab oder führten sie auf einen allgemein niedrigeren Stellenwert der Rechtschreibung im digitalen Zeitalter zurück. Einer der wenigen Experten, die seit vielen Jahren systematisch und empirisch die Folgen der "Rechtschreibreform" erforschen, ist Uwe Grund: Gestützt auf einen umfangreichen Korpus kann er belegen, welche orthographischen Fertigkeiten Schüler der Sekundarstufe vor und nach der Wendemarke von 1996 hatten und haben, und daraus ableiten, welchen Einfluß die "Rechtschreibreform" auf heutige schulische Rechtschreibleistungen hat. Nachdem Zwischenergebnisse seiner Untersuchungen schon vor Jahren vorgestellt worden waren, folgt jetzt die vollständige Analyse in Form eines Buches, das allen Verantwortlichen des damaligen staatlichen Eingriffes dringend zur Lektüre empfohlen sei.
    Dr. phil. Uwe Grund studierte Germanistik und Geschichte. Nach Staatsexamina und Referendariat war er in der Lehrerausbildung im Fach Deutsche Philologie tätig. Seit der Reform der schulischen Rechtschreibung befaßt er sich mit deren Folgen.
    Grund, Uwe (2016): Orthographische Regelwerke im Praxistest. Schulische Rechtschreibleistungen vor und nach der Rechtschreibreform. Sprachwissenschaft, Band 31. Verlag Frank & Timme, Berlin. (14,7x21 cm, 248 Seiten, ISBN: 978-3-7329-0279-8, 36,00 €)


Ickler: Der Rat für Rechtschreibung ...

Am 14.10.2004 beschloß die Kultusministerkonferenz (KMK) als Nachfolger der aufgelösten Zwischenstaatliche Kommission den "Rat für deutsche Rechtschreibung". Dessen erster Vorsitzende, der ehemalige bayerische Schulminister Hans Zehetmair, nannte ihn in einem SPIEGEL-Gespräch am 06.05.2005 "ein völlig unabhängiges Gremium". Auf seiner Website bezeichnet sich der Rat selbst als "die maßgebende Instanz für die deutsche Rechtschreibung".
    Dazu .
    Theodor Ickler, der vermutlich schärfste Kritiker der "Rechtschreibreform" und Träger des Deutschen Sprachpreises, studierte Germanistik und Klassische Philologie und war nach seiner Promotion und Habilitation Lektor für Altgriechisch in Marburg, Akademischer Rat und Privatdozent in München und schließich Professor für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Erlangen-Nürnberg. Gastdozenturen führten ihn nach Neu-Delhi (Indien) und Tianjin (China). Seit 1997 hat Ickler etliche Bücher und Fachaufsätze zur "Rechtschreibreform" veröffentlicht.
    Ickler, Theodor (2021): Der Rat für Rechtschreibung in Dokumenten und Kommentaren. Sprachwissenschaft, Band 50. Verlag Frank & Timme, Berlin. (14,7x21 cm, 348 Seiten, ISBN: 978-3-7329-0737-3, 49,80 €)



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