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Leserbrief vom 08.09.2000 im Kölner Stadt-Anzeiger

Rechtschreibreform

Gewinn oder Rückschritt?   (1)

Bisher bedeutete "Rechtschreibung" immer 'richtige Schreibung', also die Schreibweise, die den Menschen 'recht' war, weil sie auf einer ausdrücklichen oder stillschweigenden Übereinkunft der deutsch schreibenden Bevölkerung beruhte. Dementsprechend war der Duden immer, wie Linguisten sagen, "deskriptiv": er beschrieb – wie jedes wissenschaftliche Wörterbuch – kein Wunschdenken, sondern den tatsächlichen Sprachstand.
    Die neue "Rechtschreibung" hingegen ist eine 'Schreibung von Rechts wegen': eine Schreibweise, die gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung für Recht erklärt wurde und daher eigentlich "Rechtsschreibung" (mit Doppel-s) heißen muß. Der neue Duden ist plötzlich "präskriptiv", er hat sich zum Handlanger einer Zwangsreform gemacht, indem er nicht mehr beschreibt, was ist, sondern vorschreibt, was durchgesetzt werden soll. Wissenschaftlich ist er somit wertlos.

Hans-Jürgen Martin



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