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Der hier zitierte Leserbrief erschien in derselben Zeitung auf derselben Seite unter derselben Überschrift direkt vor dem vorherigen (meinem) Leserbrief:

Leserbrief vom 08.09.2000 im Kölner Stadt-Anzeiger

Rechtschreibreform

Gewinn oder Rückschritt?   (2)

Ich bin 44 Jahre alt, Abonnent Ihrer Zeitung, habe keine schulpflichtigen Kinder und übe einen Beruf aus, in dem relativ viel geschrieben wird. Ich gehöre also zu der Generation, die auf jeden Fall noch einmal umlernen muss, bevor das Berufsleben beendet wird. Trotzdem gehöre ich nicht zu denjenigen, die wieder zur alten Rechtschreibung zurück wollen. Nachgewiesenermaßen machen die Grundschüler nach Einführung der Rechtschreibreform weniger Rechtschreibfehler. Dies ist für mich ein schlagendes Argument pro Rechtschreibreform und ein Indiz dafür, dass die alte Rechtschreibung zu kompliziert und unlogisch war. Aus meiner Sicht handelt es sich bei der Mehrheit der Befürworter der alten Rechtschreibung lediglich um Egoisten, die im einfachen Fall nicht mehr umlernen, im schlimmsten Fall aber einfach nicht wollen, dass die Kinder es nun einfacher haben. Die Kinder von heute sollen gefälligst die gleichen Schwierigkeiten haben, wie sie es damals in ihrer Schulzeit gehabt haben. Auch derartige liebe Mitmenschen kenne ich. Sicherlich im Gegensatz zur Mehrheit meiner Zeitgenossen appelliere ich daher an Sie, nicht dem Beispiel der FAZ zu folgen und nicht wieder zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. Sie sollten wissen, auch von dieser Sorte Mitbürger gibt es eine ganze Reihe.

Erwin Schumacher
Neunkirchen-Seelscheid

Kommentar:

Dieser vermeintliche "Kinderfreund" liefert die Gegenargumente gleich mit, meint er doch:

  1. Er gehöre zu der Generation, die auf jeden Fall noch einmal umlernen müsse – diese Behauptung ist nicht nur bewußt falsch, da die Rechtschreibung von Firmen und Privatpersonen Privatsache ist, sein muss deutet vielmehr auch an, daß er seine Mitbürger zum Umlernen zwingen will.
  2. "Nachgewiesenermaßen" machten Grundschüler jetzt angeblich weniger Rechtschreibfehler – nur daß dieser Nachweis bis heute nicht geführt ist und sich angesichts vieler Ungereimtheiten der neuen Zwangsregeln auch nie führen lassen wird. Beweise für das Gegenteil liegen hingegen vor.
  3. Die "Mehrheit" (!) seiner Zeitgenossen sicherlich sei nur zu egoistisch, sich an eine Minderheit anzupassen – der undemokratische Geist der Reform ist hier auf den Punkt gebracht.
  4. Von seiner "Sorte Mitbürger" gebe es "eine ganze Reihe" – zum Glück, wie zugegeben, nur eine Minderheit, aber leider eine totalitäre.


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